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INHALT


Was wäre, wenn…:


Macbeth langweilt sich mal wieder am Hofe König Duncans. Dieser hatte zum "Allgemeinen Gespräch über die Lage Schottlands" geladen. Einige Thanes besaßen die Dreistigkeit, sich wegen irgendwelcher belangloser Gründe der Königlichen Sitzung fernzuhalten. Macbeth würde sich so etwas niemals trauen. Er hofft immer noch, die Karriereleiter emporzusteigen. Vielleicht Thane von Cawdor? - Im Leben nicht, da der amtierende Thane sich nicht nur bester Gesundheit erfreut, sondern auch ein absoluter Liebling des Königs ist. Und selbst wenn der Thane - abwegig, aber nur mal so als Gedankenspiel - zum Beispiel den König verraten und in Ungnade fallen würde: den Titel "Thane von Cawdor" würde jeder erhalten - nur nicht Macbeth. Macbeth ist viel zu wichtig als "Moker", als Exekutive. Auf dem Schlachtfeld ist er als Stratege und Kämpfer schier unschlagbar. Wenn er dem Schlachtgeschehen beitritt, dann passiert etwas mit ihm: seine Augen leuchten, und er ist mehr als anderswo in seinem Element. Trotzdem träumt er in den Friedenszeiten immer davon, sich als erfolgreicher Thane, oder vielleicht auch als einfacher Laird, zur Ruhe zu setzen. Seine Ehe mit "seiner Lady", wie er sie nennt, ist glücklich, aber kinderlos. Mehrere Fehlgeburten haben ihre Geburtsfähigkeit ruiniert. Doch er wäre gerne mit ihr, fernab von Krieg und Politik, glücklich bis an ihr Lebensende…


So hätte die Geschichte Macbeths verlaufen können, wenn er nicht die drei Schicksalshexen getroffen hätte, die ihm den Floh ins Ohr setzten, er würde auf jeden Fall König werden. Da es die Hexen prophezeiten, musste Macbeth ja wohl alles tun, damit die Weissagung auch eintrifft, oder? Wer stellt sich denn schon gegen das Schicksal? Oder hinterfragt es? Vor allem mit den Aussichten?


Die vorliegende Übersetzung im shakespeareschen Versmaß von Markus Hahn (auch Schnitt und Regie) ist genauso dreckig, blutig, hart, brutal, zerstückelnd, schneidend, kriegerisch, harsch, schmerzvoll, scharfzüngig, spitz, verdichtet, dramaturgisch galoppierend wie das englische Original. Mehr Shakespeare geht auf Deutsch nicht.


Die herausragende Sprechkunst von David Nathan ("Johnny Depp" u.v.a.), Simon Jäger ("Matt Damon" u.v.a.) und Ariane Seeger interpretieren das weltbekannte Werk kongenial und voller Kraft. Ein wahrer Blutrausch der Worte, das der Machttrunkenheit von Macbeth und seiner Lady gleichgesetzt werden kann.


Macbeth wurde 1611 in London zum ersten Mal gespielt. Es basiert auf tatsächliche historische Begebenheiten im Schottland des 11. Jahrhunderts. Doch Shakespeare hat viele Fakten dramatisiert und verändert, um das Publikum bestmöglich zu unterhalten. Alles, ein "mingle-mangle" an dramaturgischen Kunstgriffen, scheint in das Werk hineingepackt worden zu sein: Hexen, Schicksal, Krieg, Mord, Geistererscheinungen, Vaterdrama, Mutterdrama, Wahnsinn, Rätsel, Geheimnisse, Verrat, usw. Durch alles hindurch webt sich das Böse in seinen unterschiedlichsten Varianten. Denn Macbeth und seine Lady morden sich von unten nach oben und immer unter Berufung auf das Schicksal, bis sie schließlich selber, an der Spitze der Macht, getötet werden, um einem neuen, "rechtmäßigen" Herrscher Platz zu machen, damit die staatliche Ordnung wiederhergestellt wird.


Oder einfach alles nur wieder von vorne beginnt?!


vgl. Macbeth - Zusammenfassung


Vorschau auf die Zwischenakt-Musik